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plattenkritik

azeda booth : in flesh tones
bereits erschienen, (bb*island/absolutely kosher)

mal wieder kanada, calgary diesmal, mal wieder weit mehr als die übliche typische bandbesetzung, hier mit circa sechs bandmitgliedern plus minus und vor allem mal wieder viel experimente und ein erstaunliches ergebnis. die musikalischen, kreativen wundermeldungen aus dem hohen norden nordamerikas scheinen nicht abreißen zu wollen. "azeda booth” veröffentlichen nun als eine der aktuellsten newcomer ihr debutalbum ‘in flesh tones’ und hinterlassen den hörer verwirrt, verzaubert und fasziniert. der sound dieses albums verführt uns hinein in eine musikalische traumwelt, eine eiswüste voller klingender farben, schwerelos, unbegreiflich. jordon hossacks zerbrechliche falsettstimme (es handelt sich hier um einen mann, auch wenn der verdächtig nach der sängerin von "múm” klingt) verschmilzt mit der ebenso fragilen minimal-elektronik zu einer atmosphärisch dichten und zugleich wie zufällig wirkenden soundcollage, die sich irgendwo zwischen isländischem art-pop und kanadischem post-rock bewegt. die songs wirken akustisch, wären sie nicht so reich an elektronischen tongebilden. finden sich in den ersten songs noch beats und familiäre songstrukturen, werden diese bei zunehmender dauer nur noch angedeutet und lösen sich auf in einem alles umfassenden emotionalen schwebezustand. ‘in flesh tones’, ein ‘fleischfarbenes stück experimenteller popmusik’, wie die plattenfirma so schön philosophiert, ist eine spannende musikalische weiterführung des kanadischen kreativ-schubs der letzten jahre. es ist musik für menschen, die gefordert werden wollen, ihren erwartungshorizont überschreiten wollen. und es ist eine der inspirierendsten neuentdeckungen des jahres.

(torben deinert)