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plattenkritik

madsen - madsen
vö: 30.05.05 (vertigo/universal)

"angezerrtes kondensatormikrofon ich komme mal wieder", oder wie?
seitdem julian casablancas diese idee auf dem debut 'is this it' vor fast vier jahren aufgriff, meinen alle pseudocoolen möchtegernsänger diese mittel aufzugreifen um sangestechnische defizite aufzufangen. wetten dass 'is this it' eine refernzplatte im studio war?
sebastian madsen kommt aus der nordheide, hat eine band um sich gescharrt, nennt diese wie sein eigenes stolzes ego, hört gerne strokes, tomte und ash, singt einfache schülerbandtexte, da es bei ihm für komplexere themen anscheinend nicht reicht. madsen machen vierviertelsongs, die schön nach vorne gehen und zum pogen im juz im öden mitteldeutschland einladen sollen. nun, wenn uncoole menschen gerade das neue "cool" in der deutschen musikgesellschaft zu sein scheinen, kann man die marktstrategie des majors universal durchaus verstehen, um was vom kuchen des furchtbaren hypes des "neuen deutschrock" abzubekommen. zugegeben, die beiden singles 'immer mehr' und 'die perfektion' gehen wirklich gut ins ohr, aber mit der zeit geht einem das dröge genöle von sebastian madsen dermaßen auf den keks, daß die gar nicht mal so schlechten songs darunter die eindeutigen verlierer sind. die arrangements sind allerdings zum teil jenseits von gut und böse. ganz besonders nerven eben diese blablabla-texte, die einfach leer sind. da muß nichts erklärt oder gedeutet werden, das versteht schon meine kleine nichte mit ihren vier jahren und fragt mich was denn diese leeren phrasen eigentlich aussagen sollen? hey, es muß ja nicht immer diskurspop vom campus sein, aber müssen jetzt alle diese "larifaripoptexte" machen? alles vorhersehbar, alles schon tausendmal gehört, aber eben viel besser.
eigentlich taten mir madsen damals leid, als sie kasabian im logo
supporten wollten und diese die jungs sofort wieder nach hause
schickten, weil sie einfach keinen bock auf madsen hatten. wenn jemand denen allerdings im vorwege das album vorgespielt hat,
kann ich kasabian sogar verstehen. sorry jungs, aber das hätte eh so gar nicht gepasst.
zurück zum debutalbum, welches fröhlich rumrockt und an einigen stellen sogar ganz gute ideen hat, die aber dann wieder nicht konsequent umgesetzt werden. 'wohin' macht spaß und erfreut den postpubertierenden kopfnicker, aber nur zitierend rumrocken ist nun mal leider nicht alles und so verpufft alle jugendlich energie. das ganze debutalbum klingt nach mehrmaligen hören nach einem schlechten kompromiss, bei dem die band nicht wirklich ihr potenzial ausspielen konnte, (oder durfte?). 'immer mehr' finde ich wirklich klasse, aber eine schwalbe macht eben keinen sommer. vor zehn jahren hätte ich sowas warscheinlich noch klasse gefunden, aber die zitate und die strategie sind leider zu offensichtlich. der deutschrock-markt ist voll und das land braucht viele neue impulse und ideen. aber ganz bestimmt nicht sowas uninspiriertes wie madsen.
ok, dorfdisko und wohlstandskinder sind noch wesentlich schlimmer...
(benny)