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plattenkritik

various artists : die fetten jahre sind vorbei (ost)
bereits erschienen (mute/emi)

soundtracks sind immer so eine angelegenheit. vorteil: man spart sich das doch recht zeitintensive zusammenstellen von mix-tapes, wenn denn die musik zum film dem eigenen geschmacksempfinden zusagt. nachteil: die entstehungsbedingungen eines soundtracks versprechen im seltensten fall eine harmonische auswahl an titel. ausnahmen bestätigen hier die regel: der tonträger zum hamburger film "absolute giganten" zählt nach jahren immer noch zu den prägensten, denn hier wurde eine ansprechende auswahl von songs durch eigens komponierte stücke ergänzt, welche die atmosphäre des filmischen unterstützen. oder sophia coppolas "lost in translation", die unverblühmt subjektive lebensstilessenz der regisseurin. ein soundtrack braucht den anfang und das ende, ein soundtrack braucht die spannungskurve, ein soundtrack muss etwas erzählen wollen. vielzuoft kreieren soundtracktüftler eine radiosendung aus plattenlabeleigenen hits, denn, machen wir uns nichts vor, ost’s sind kooperationen der platten- und der filmindustrie. womit ich regisseuren nicht unterstellen will, dass sie nicht auch bei der wahl der musik regie führen würden, aber eben im begrenzten rahmen.
bei "die fetten jahre sind vorbei" handelt es sich nun um einen film von hans weingartner, mit daniel brühl, stipe erceg und julia jentsch und alle basteln mit am konzept des ost. die strategie heißt rock’n’roll, das ergebnis nennt sich gewagt. beides will ich verneinen. rock’n’roll als produktionsmaxime mag ja stimmen, aber der soundtrack geht weit darüber hinaus. coolness jenseits von genrepurismus und mainstreamdiktat. ein lifestyleprodukt für den aussenseiter mitten im system inklusive depeche mode, tocotronic, leonard cohen und franz ferdinand. eine ausgewogene vielfalt, die aber weiß, in welche richtung sie läuft. dauerbrenner wie phoenix’s "if i ever feel better" treffen heimliche lieblingshits wie loopers "mondo 77" und raritäten wie burghart klaußner mit "j’ai connu de vous". im film selbst finden sich nur 7 der 32 songs wieder, der rest paßt einfach oder wird passend gemacht. einige songs müssen dem team wirklich am herzen gelegen haben, würde man sonst "hyperspace" von nada surf oder tom liwa mit "juliane straat" auf einen sampler packen? der überwiegende teil des liedguts stammt trotzdem aus dem hause emi/virgin/mute/labels und vom befreundeten lado-clan. einige projekte kommen stärker zu wort (mediengruppe telekommander mit politischen parolen und lucky jim mit doppelter zulassung) andere haben sich extra etwas einfallen lassen (element of crime covern freddie quinns "heimweh" und ellen allien remixed barbara morgensterns "aus heiterem himmel"). ein wagnis stellt dies alles nicht dar, und das ist gut so. für alle etwas dabei und für manche alles. alles schon kennen oder dazulernen und liebgewinnen, beides ist möglich. für die gleichberechtigte stellung von rock und elektro ziehe ich meinen hut. "und die moral der geschicht, nix mann – ’s gibt keine". (zitat stipe erceg aus dem cd-booklet)
(ww)

ein paar weitere zutaten:
simian, eagles of death metal, radio 4, sophia und jeff cole (seufz!)