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plattenkritiken 2009

old canes - feral harmonic
(saddle creek/indigo)

chris crisci ist der musiker, der sich hinter dem bandnamen "old canes" versteckt. sein zweites studioalbum "feral harmonics" hat er im winterlichen lawrence, kansas, eingespielt, in seinem heimstudio "toyshop". es ist ein album das einen großen bogen schlägt, vom traditional und folk hin zum indiepop und punk. ein gewagtes unterfangen, das immer dann belanglos und langweilig scheint, wenn sich letztgenannte musikgenres in den vordergrund schieben und crisci sich von heimatlichen traditionen entfernt. aber "feral harmonics" ist auch ein album mit höhepunkten, mit brillianten folkinterpretationen. das lied "under" gehört zu diesen höhepunkten: zauberhaft spielen hier spielzeugklavier und mundharmonika zusammen und die chöre klagen und dröhnen, als seinen sie in eine blechdose gesungen. abrupt endet der song mit dem konfusen klang eines windspiels, als habe die natur diesen song selbst beendet. "black hill chapell" betört und verstört mit einem psychedelischen banjospiel. nackt und verletzlich ist dieses spiel, rauschhaft und gefährlich. musikalische grenzen werden atemberaubend überschritten. criscis album endet mit dem song "southern radio", einer einfachen folkloristischen ballade, gesungen von einer stimme, die stets dazu tendiert zu verschwinden, in einem nirgendwo verloren zu gehen. letztlich bleibt das geräusch von regen und die natur bemächtigt sich einmal mehr criscis musik: "feral harmonics" halt. der winter in lawrence scheint nun endgültig vorüber und man weiß nicht so recht, ob man das haus jetzt schon verlassen möchte.
(jf)

old canes @ myspace