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(warp/rough trade)
die
rezension einer "autechre"-platte stellt dem schreiber - so
stelle ich mir das vor - kaum zu überwindende hindernisse. man muss
etwas unfassbar abstraktes in worte fassen und möglichst lebendig beschreiben
können. dabei besteht grundsätzlich die gefahr, sich richtig zum deppen
zu machen, rob brown und sean booth haben - natürlich vollkommen zurecht
- heerscharen an fans, ihre musik ist inbegriff der idm (intelligent
dance music) und eingängig ist sowieso etwas anders. wers also nicht
versteht läuft gefahr, sich unbeliebt zu machen, sich als dumm zu outen
oder als faul zu gelten, weil man kein zugang fand. hinzu kommt die
frage welchen zugang man am besten wählen sollte: ist das hören einer
so unzugänglichen platte lediglich ein intellektuelller hindernispacours
oder projektionsfläche für den eigenen emotionalen wahnsinn?
beides kann es sein.
mathematische dekonstruktion von ästhetik - der prozess des auseinander
rechnens von punkrock und zusammenschraubens zu einem amorphen etwas,
das nicht minder kickt. es könnte gleichsam in echtzeit geschehen oder
das ergebnis von zufall oder genialem kalkül sein.
entfremdung von leib und seele - der keil, der zwischen hörer und musik
geschlagen wird. die wand, die es wieder zu überwinden gibt, um zurück
zu finden. die prüfstelle, die alles erlebte einfordert.
vergleiche ich "oversteps" mit ambientklassikern von brian
eno oder aphex twin, bekomme ich das gefühl, dass sie es dem hörer nicht
so leicht machen wollen. die kompostionen sind deutlich uneindeutiger.
nirgends gibt es klare flächen, auch erschließen sich mir kaum melodien
oder melodiefragmente. beats blitzen selten auf (darin dürfte der größte
unterschied zum bisherigen werk "autechre"s liegen). jede
form von klarheit wird in den allermeisten fällen unmittelbar zerbrochen.
was bleibt, ist eine überfrachtung, eine tiefe verschachtelung. diesmal
bleibe ich leider außen vor.
(andre florian kobus)
autechre
@ myspace
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