home                                     club        musik        konzerte
plattenkritiken | popnews | interviews | popclassics | clubplaylists | plattenlabels
plattenkritiken 2010

kaki king - junior
(cooking vinyl/indigo)

zu beginn von martin scorsese’s "shutter island" müht sich ein schiff durch den nebel, anfangs kaum zu erkennen fährt es langsam aus dem weißen dunst hervor, gewinnt an kontur. wir wissen: dies wird ein film über wahrnehmung, ein film, der unseren verstand prüft, ein film über fiktion und wahrheit. ganz ähnlich beginnt auch das album "junior" von kaki king (atlanta, georgia), eingespielt in kingston, new york. der opener "the betrayer" beginnt schleppend; aus einem soundgemisch heraus gibt uns die musikerin einen gitarrenrhythmus vor, auch dieser gewinnt an kontur. ein rhythmus, der letztlich den song vereinnahmt, ganz kings früheren werken gleich. und doch bleibt eine unsicherheit, eine spannung zwischen gitarre, schlagzeug und flüsterndem gesang; eine spannung zwischen tradition und neuem werk. "the betrayer" ist ein song über den doppelagenten eddie chapman und basiert auf ben mcintyres’s "agent zig zag". ein doppeltes spiel also und das inszeniert auch kaki king. passend singt sie zu ihrem stets großartigen gitarrenspiel: "i have become someone else". auch wenn king auf "junior" mit musikalischen stilen früherer alben bricht ("there is none of the guitar tapping that i am known for") , behält sie doch das dominante gitarrenspiel bei. neu sind multiinstrumentalist dan brantigan und drummer jordan perlson. sie sind mitverantwortlich für die atmosphärische dichte des albums, gespenstisch, stets am rand der implosion höre ich die lieder. king wechselt auf "junior" von dröhnenden punkrock nummern, über vegaseske popnummern und instrumentals zu folkballaden. dabei ist faszinierend wie stilsicher die stücke komponiert und arrangiert, wie spannungsgeladen und aufregend sie sind. king blickt auf eine beachtliche werksammlung zurück, bei der neben den vier studioalben insbesondere die golden globe nominierung für sean penns "into the wild" auffällt. nach ihrem höhepunkt, einer zusammenarbeit mit den "mountain goats" ("the black tree ep", 2008) ist "junior" eines ihrer besten werke. es endet mit der zurückhaltenden ballade "sunnyside", mit akkustikgitarre und feinfühligem gesang. ein trauriges stück einer zerbrochenen liebe, das näher an der wirklichkeit kaum sein könnte. wehleidig und melancholisch singt king ihre letzten verse: "you are the girl i lost in sunnyside".
(jf)

kaki king @ myspace