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plattenkritiken 2010

the hot rats - turn ons
(cooking vinyl/indigo)

es ist fast unmöglich, eine vernünftige und faire rezension über ein reines coveralbum zu schreiben. zunächst einmal muss das songwriting, normalerweise quasi der mittelpunkt einer musikkritik, vernachlässigt werden, den song gabs ja schon. bleibt also als untersuchungsgegenstand die art der interpretation. das kann recht fruchtbar sein wie zum beispiel bei nouvelle vagues atmosphärischen neudefinitionen alter new wave klassiker. der spagat zwischen wiedererkennungswert und origineller neuverpackung ist jedoch ein kniffliger, wie das album "turn ons” der "hot rats” beweist. im richtigen leben die eine hälfte der beliebten britpopper "supergrass”, versuchen sich gaz coombes und danny goffey hier an der hall of fame des rock'n'roll. beinahe alle einflussreichen und genre gründenden künstler der 60er bis 80er jahre, ausschließlich britische und us-amerikanische wohlgemerkt, sind auf diesem lieblingslieder-mixalbum versammelt: "velvet underground”, "the kinks”, david bowie, "gang of four”, "the cure”, elvis costello, "roxy music”, "p.i.l.” und so fort – und als ob das noch nicht genug ist, werden auch nur deren größten momente kopiert. "fight for your right to party”, der "beastie boys” hit hier in einem sehr partyarmen jedoch überraschenden grungegewand, bildet quasi das motto des albums. jede menge schweißtreibender rock und tanzfreundlicher post-punk bereiten spaß und gute laune, und mehr wollen "the hot rats” vermutlich auch gar nicht erreichen. so gesehen erfüllt dieses projekt seinen zweck, und live auf den großen sommerfestivals dürfte das auch ganz wunderbar funktionieren. als (konzept-) album ist das dann doch etwas dünn und erinnert eher an eine top 100-kompilation der besten hits aller zeiten, schnell mal eingespielt und hübsch produziert, um ein wenig taschengeld zu verdienen und junge mädchen zu beeindrucken. es wäre wohl das album des jahrhunderts, würde es sich nicht um coversongs handeln. die meisten stücke sind zu nah am original und bieten kaum einfallsreiche interpretationen. das macht "the hot rats” zu wenig mehr als einem netten zeitvertreib, um die warterei bis zum nächsten "supergrass”-album zu verkürzen.
(torben deinert)

the hot rats @ myspace