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tusq - patience camp

(strange ways/indigo)

tusq - patience campes war auf dem diesjährigen reeperbahnfestival als ich mich auf anraten von menschen, deren musikalischen geschmack ich sehr schätze, in der prinzenbar wiederfand und dem konzert der hamurg/berliner band tusq beiwohnte. UND von ihnen und ihrem auftritt mitgerissen wurde. obwohl ihr angestammter bassist kurzfristig ersetzt werden musste, der ersatzbassist daher mehr oder weniger vom "blatt" spielte und es soundtechnische probleme gab, sah man dennoch sofort das enorme potential dieser band, die aus mitgliedern von herrenmagazin, ex-schrottgrenze und the coalfield besteht. nun kommen sie also mit ihrem debutalbum "patience camp" um die ecke und dürfen sich gleich mal für den preis für das mieseste cover-artwork 2010 bewerben. wie konnte die plattenfirma bloß so ein stilloses filzstift-möchtegern-progrock-cover durchwinken? mit so einem artwork fördert man keinesfalls die verkaufszahlen und lässt in dieser von marketing durchtriebenen popkultur diese tolle band schnell wie eine dämliche 08/15 schülerband aussehen. total schade, denn dafür glänzt der inhalt umso mehr mit einem der beeindruckendsten deutschen indie-alben des jahres 2010. nach langer suche scheinen sich da in tusq vier stilsichere protagonisten gefunden zu haben, die sich in einem musikalischen guß ergänzen und aus ihrem fantum zu bands wie soundtrack of our lives, arcade fire und motorpsycho etwas neues kreiieren. die einflüsse sind nicht zu verleugnen, doch sind es nie platte kopien, sondern immer liebevolle zitate, die den guten popsong "patience camp" nach vorne bringen. davon haben tusq ein ganzes füllhorn. auch haben sie keine falsche angst davor pathos an den richtigen stellen einzusetzen um einem gänsehaut zu verleihen.
wann habe ich das letzte mal ein album gehört, wo mir von 10 songs gleich 8 direkt ins ohr gegangen sind und wohlig darin hängen blieben. "lovers reason" und "fortune" gehören eigentlich auf jedem indie-dancefloor und sind die indie-hits aus dieser bananenrepublik die ich schon lange vermisse. wenn tusq noch etwas an ihrem artwork schrauben, denn dieser low-budget-style passt nicht zu ihrer großartigen musik, werden sie nicht zu stoppen sein und die zukunft wird ihnen gehören. für mich ist "patience camp" die deutsche indiepop-platte des jahres!
(benny ruess)

tusq @ myspace